Erfahrungen sind Erinnerungen an das Scheitern und erlittene Verluste. Diese etwas sarkastische Deutung all dessen, was wir zu hören bekommen, wenn wir mal was anders machen wollen, als man es bisher gemacht hat. Denn immer, wenn wir am Verändern sind, werden uns all die negativen Erinnerungen an versuchte Veränderungen aufgetischt, natürlich als Erfahrungen. Wer will schon einem erfahrenen Menschen widersprechen.?
Mein Leben war immer dann interessant, wenn ich mal was Neues gewagt habe. Selbstverständlich kann man scheitern, aber an jedem Scheitern wächst man, denn man lernt, was funktioniert und was nicht. Ich bin oder besser war über viele Jahre Ingenieur und habe Prozesse ausgeknobelt, die funktionieren sollten. Vieles war Neuland. Ich war in der Energiewirtschaft tätig und habe in den Jahren zwischen 1985 und 2025 ein unbeschreiblich spannendes Leben mit immer neuen Herausforderungen gehabt. Das hat mich geprägt. Ich konnte in Krisenzeiten lernen, wie man ein sicheres Stromnetz betreibt und habe einen einzigartigen Strukturwandel von gesicherter fossiler und nuklearer Energieerzeugung zu regenerativ aber ungesichert und unzuverlässiger Energieerzeugung miterlebt. Das Ganze parallel zu einer Verschiebung der einst monopolistisch organisierten Versorgung zu einer wettgewerblich und gleichzeitig mikroregulierten Scheinmarktwirtschaft. Bei der Umgestaltung wurde keine Rücksicht auf die Argumente der Ingenieure in Bezug auf Versorgungssicherheit und technisch machbares genommen. Das hieß für uns, immer nach pragmatischen Ansätzen zu suchen, um das scheinbar Unmögliche ohne Schäden hinzubekommen.
Was ich in meinem Leben gelernt habe ist, dass unser Leben ein permanentes Manövrieren zwischen den Einflüssen unserer Umwelt und unseren eigenen Ansprüchen erfordert, zu neudeutsch „moving targets“. Wenn wir glücklich und erfolgreich sein wollen, sind wir gezwungen, uns regelmäßig neu zu erfinden und im Zweifel auch unsere Überzeugungen und Ziele anzupassen.
So sind die Beiträge, die ich dieser Rubrik zugeordnet habe, durchweg psychologische Eigenbetrachtungen und damit verbunden eine gewisse „Klugscheißerei“. Noch eines ist mir wichtig. Ich glaube unverrückbar an die Freiheit des eigenen Willens. Wer an diese Freiheit glaubt und sich für diese einsetzt, muss aber bereit sein, neben Erfolgen auch Niederlagen und Enttäuschungen selbstständig zu verarbeiten. Als Menschen existieren wir nur deshalb frei, weil wir diesen eigenständigen Willen haben. Das setzt aber voraus, dass wir ehrlich zu uns selbst sind und uns nicht aus Bequemlichkeit von anderen manipulieren lassen.