Nachruf für Nelson

Lieber Nelson,

es bereitet mir große Mühe zu schreiben, aber ich weiß, dass ich nur so den großen Schmerz aushalte, den mir Dein bevorstehender Tod bereitet.

Du warst, obwohl von allen unseren Katzen die kürzeste Zeit mit uns zusammen, wohl für mich das ideale Bild, welches ich von einer Katze habe.

Selbständig, selbstbewusst, warst Du, ein sanfter und dennoch stolzer Kater, der niemals aufdringlich war, der in Harmonie leben wollte und lebte. Du hast Dich nie auf den Arm nehmen lassen ohne Dich mit offenen Krallen bei mir festzuhalten. Aber Du hast mit weichen Pfoten am Morgen mein Gesicht berührt und am Abend kamst Du in mein Bett, hast Dir den Bauch kraulen lassen und genüsslich dazu geschnurrt. Nach Dir wird es keine weitere Katze mehr in unserem Haushalt geben, warum, schreibe ich später.

Lebenslauf eines viel zu kurzen Katzenlebens

Wann Du genau geboren wurdest, werden wir wohl nie erfahren, aber Dein Geburtsdatum ist auf den 11 März 2016 datiert. Du kamst irgendwo in Kiew zur Welt. Gemeinsam mit Deinen Schwestern wurdest Du von Tierschützern von der Straße gerettet, sonst hättest Du wohl kaum Deinen 1. Geburtstag erlebt. Von lieben Menschen, die im Tierschutz aktiv sind, wurdest Du gemeinsam mit Deinen beiden Schwestern nach Deutschland gebracht und wohntest bei diesen Menschen zuerst mit Deinen Schwestern, dann mit anderen Katzen.

Am 13. März 2017, mit einem Jahr, warst Du das erste Mal bei uns zu Besuch. Unser Spiky hatte zuvor seinen Bruder Micky verloren, der an HCM starb und er sehnte sich nach einem Spielgefährten. Du warst noch sehr schüchtern und ängstlich und der große rote Kater, der Dich begrüßen wollte, wurde von Dir angefaucht. Dennoch wart Ihr Euch so sympathisch, dass Du am 24. März 2017 in unsere Menschen-Katzen-WG einzogst.

Die ersten Tage waren schwer für Dich. Du warst sehr ängstlich und wolltest nicht fressen. Du hast Dich unters Bett verkrochen und nach langem Zureden kamst Du in Dein erstes „eigenes Revier“ bei uns. Dort lagst Du ängstlich auf dem Fensterbrett und dann später auf dem Schrank. Über Nacht hast Du die Katzentoilette, von der ich die Haube abgenommen hatte, im Zimmer verteilt. Schließlich, nach dem Zureden Deiner vorherigen Menschen, hast Du dann endlich gefressen. Von da ab ging es steil aufwärts in unserer Beziehung und mit der Eingewöhnung in die neue Umgebung.

Im Mai 2017 haben wir an zwei Fenstern „Balkone“ für Euch gebaut. Im Sommer hast Du gern draußen gelegen. Nach viel Ärger mit unserem bösartigen Vermieter sind wir dann 2019 in eine schicke neue Wohnung mit einem richtigen Balkon gezogen. Aber zunächst erst weiter in der richtigen Reihenfolge.

Dein erstes Weihnachten bei uns hat Dir gefallen. Unsere Kinder waren zu Gast und Du hast beim Schmücken des Baumes zugesehen und alles beschnuppert. Zum Silvester hattest Du Angst vor dem Lärm und hast Dich eng an mich gekuschelt. Von da an fing unsere innere Beziehung an.

Du kamst jeden Abend in mein Bett, um vor dem Schlafengehen ein wenig zu schmusen. Morgens hast Du geduldig gewartet, bis ich wach war und aufstand um für Dich und Spiky Frühstück zu machen. Danach lagst Du bei mir und hast beim Frühstücken zugesehen. Zuletzt hat es hin und wieder mal was für Dich gegeben.

Wenn ich zur Arbeit ging, hast Du mich zur Tür begleitet, am Abend hast Du schon ganz aufgeregt auf mich gewartet und mich freudig begrüßt. Dann wolltest Du sofort spielen oder schmusen. In all diesen Jahren durfte ich Dich aber nie auf den Arm nehmen, ohne dass Du die Krallen ausgefahren hast, um Dich an mich zu klammern.

Besuche beim Tierarzt mochtest Du nicht, ich musste Dich immer austricksen, um Dich in die Box zu bekommen. Wenn wir dann nach Hause kamen, wartete schon laut maunzend Spiky auf Dich und Ihr habt Euch inniglich begrüßt und geputzt. Das Gleiche, wenn Spiky zum Tierarzt musste. In Spikys letzter Lebenswoche hast Du die ganze Zeit auf uns gewartet, am 30.12.2020 kam er nicht wieder mit zurück.

Du hattest viele Ideen, wie man mit Handtüchern, Kisten oder Körben umgehen kann. Beim Umzug bist Du auf die höchste Kiste geklettert, um alles zu überwachen.

Aber Deine absoluten Lieblingsspielzeuge waren Schmusekissen. Ich glaubte einmal, das Kissen wäre ins Wasser gefallen, so sehr hattest Du es beim Spielen vollgesabbert. Du hast auch gern das Wasser im Brunnen beobachtet. Bis zum letzten Tag.

Du warst ein sehr ordentlicher Kater. Das Katzenklo hast Du immer ordentlich verlassen, regelmäßig hast Du die Hinterlassenschaften von Spiky verscharrt. Er hatte es nicht so sehr damit.

Nach unserem Umzug hast Du den Balkon genossen und Dich wohlig in der Sonne geaalt. Einen Balkonkasten haben wir für Dich freigelassen. Da bist Du reingeklettert und hast ein Schläfchen gehalten. Im Sommer hast Du Dich die ganze Nacht auf den Kissen unserer Balkonstühle erholt. Am Morgen bist Du auf den Tisch geklettert, wenn die ersten Leute zur Arbeit gefahren sind.

Im Sommer 2019 habe ich Dir Deinen Kratzturm auf den Balkon gestellt. Da konntest Du beobachten oder im Schatten einer der Höhlen schlafen. Das Katzenhaus, was ich Euch für den Sommer dieses Jahr gekauft habe, könnt Ihr leider nicht mehr nutzen.

Mit Deinen kleinen Mäuschen hast Du ausgelassen gespielt, sie immer wieder hochgeworfen und dann als Beute gefangen. Wir haben mit Tischtennisbällen gespielt und Du hattest viel Freude daran, dem Ball nachzujagen. Bis vor einer Woche hast Du ausgelassen mit der Angel getobt. Und natürlich hast Du gern auch die höchsten Schränke erklommen.

Nachdem wir zum Jahresende unseren geliebten Spiky über die Regenbogenbrücke gehen lassen mussten, hast Du ihn sehr vermisst. Du hast ihn jeden Tag gesucht. Mit Feliway und viel Aufmerksamkeit konnte ich Dich wieder zum ausgelassenen Spielen, Fressen und zu Deinem herzallerliebsten Schnurren bringen. Aber die Freude dauerte nur zwei Monate. Jetzt liegst Du am Boden, das Laufen fällt Dir schwer, Du verkriechst Dich in Deine Höhle und man sieht Dir an, dass Du im Sterben liegst. Die versagenden Nieren vergiften Deinen Körper, das Fressen hast Du schon seit Tagen eingestellt. Du bist mir dankbar, dass ich Deinen geschundenen Körper streichle und sanft mit Dir spreche und zeigst mir Deine Liebe mit einem Schnurren. Du hasst mich, weil ich Dir ein Schmerzmittel in den Mund spritze, das gegen die Schmerzen und die Übelkeit hilft.

Es wird nun Zeit, sich zu verabschieden. Die Qualen der fortschreitenden Vergiftung will ich Dir ersparen. Morgen ist es soweit. Ein letztes Mal werde ich Dich in Deine Box legen und mit Dir zur Tierarztpraxis fahren. Ich bin bis zum Schluss bei Dir und werde mich an der Regenbogenbrücke von Dir verabschieden. Mehr kann ich nicht mehr für Dich tun.

Lebe wohl mein geliebtes kleines Katerchen, ich hätte Dir gern noch viele glückliche Jahre als Prinz bei uns gewünscht, aber das Schicksal wollte es anders.

Im Herzen werde ich Dich immer tragen. So wie auch Felix, Micky und Spiky. Eure Bilder werden einen Ehrenplatz erhalten, damit ich mich an die vielen gemeinsamen Stunden mit Euch erinnern kann.

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