Loslassen

Während ich hier sitze und schreibe, laufen die letzten sieben Tage wir im Zeitraffer in meinem Kopf ab. Es fällt mir immer noch schwer, zu begreifen, was passiert ist.

Nachdem Ende des Jahres unser geliebter Spiky auf einmal schwer erkrankte und letztlich wegen eines Nierentumors den Weg über die Regenbogenbrücke nehmen musste, ist ihm heute unser kleiner Nelson gefolgt. Um 11:10 Uhr blieb sein kleines, aber für uns großes Herz stehen.

Das Schlimme daran ist, er war gerade erst fünf Jahre alt geworden. Umso schwerer hat mich sein plötzlicher Tod getroffen. Noch vor einer Woche haben wir ausgelassen gespielt. Dann, auf einen Schlag, hat ihn der Tod umklammert und wie sein Kumpel Spiky zerstörte ein Tumor seine Nieren.

Ich hatte mich diesmal besser auf das Abschied nehmen vorbereitet und so schrieb ich schon, bevor ich loslassen musste, seinen Nachruf. Unter Tränen habe ich mich an die gemeinsame Zeit erinnert und notiert, welche Wege sein kurzes Leben genommen hat. Immer wieder bin ich zu meinem todkranken Freund gegangen und habe mit ihm geschmust, ihm Geschichten erzählt und ihn gestreichelt und ich konnte an seinem Schnurren, dem kurzen Entspannen seines Körpers erfahren, wieviel Liebe er zu mir empfunden hat und wie dankbar er mir war, dass ich ihm die letzten Tage seines Lebens so angenehm wie möglich gemacht habe.

Aber der Tod hat in mir auch eine wichtige Erkenntnis reifen lassen. Tiere sind kein Gegenstand, den man sich anschafft und wenn er kaputt ist, wegwirft. Tiere sind echte Partner im Leben, die Respekt verdienen und für die man sorgen können muss.

Aus diesem Grund werden wir mit dem Tod von Nelson keine neuen Katzen mehr aufnehmen. Wir sind jetzt Anfang 60, die Lebenspyramide sagt uns, dass wir zwar noch weit über 20 Jahre leben können, aber es kann ebenso schon in einem Jahr oder in einem Monat vorbei sein. So schlimm es ist, dass uns unser geliebtes Tigerchen und auch das Panterchen verlassen haben, es wäre schlimmer, müssten wir eine Fellnase zurücklassen, wenn wir sterben. Unsere Fellnasen sind auf unsere Fürsorge angewiesen und zwar mögen sich neue Dosenöffner finden, bei denen sie weiterleben können, aber unser Tod würde ein schlimmes Trauma bei ihnen hinterlassen.

Ich habe beide Katerchen an ihren letzten Lebenstagen intensiv begleitet und ich habe bemerkt, wie dankbar sie mir dafür waren. Obwohl vom Tod gezeichnet, haben sie meine Streicheleinheiten genossen und mir ihre ganze Liebe bis zum letzten Herzschlag entgegen gebracht. Ich könnte niemals damit leben, zu befürchten, dass ich eine geliebte Fellnase allein zurücklassen müsste.

Es ist mir unendlich schwer gefallen, sie ziehen zu lassen und zu erlösen. Da war immer die innere Frage, ob sie wirklich bereit sind oder ob sie doch noch leben wollen. Das liebevolle leise Maunzen meines kleinen Nelson und zuvor von meinem stattlichen Spiky, als ich sie zum letzten Mal auf den Arm nahm, hat mir die Kraft gegeben, sie von ihrem Leid erlösen zu lassen. Vielleicht wollten sie mir damit sagen:

„Lieber Partner, es wird Zeit mich loszulassen, damit ich über die Regenbogenbrücke gehen kann. Denke immer daran, das Leben und der Tod sind eine Einheit und selbst wenn die Verbliebenen die Zeit des Zusammenseins zu kurz empfinden, so kommt der Tag, an dem wir Abschied nehmen. Im Herzen bewahren wir die Erinnerung an die vielen schönen gemeinsamen Stunden und das gilt über den Tod hinaus. Erst wenn wir loslassen können, haben wir den Sinn des Lebens begriffen. Es ist ein immerwährender Kreislauf, bei dem das Neue aus dem Alten entsteht und die Erinnerung verbindet die Lebenden mit den Toten immerfort.“

Was heißt das für diesen Blog. Ich werde ihn dennoch weiterführen und immer eine kleine Geschichte aus meiner Erinnerung wiedergeben. Immerhin hatte ich das Glück fast 30 Jahre mit Katzen in einer Gemeinschaft gelebt zu haben. Zunächst aber, werde ich eine kurze Pause einlegen.

Das Eigentum meiner beiden Katerchen bekommt der Tierschutz. Die Menschen beim Tierschutz kümmern sich liebevoll um alle Tiere, die allein nicht überleben könnten. So hätten es meine beiden Lieblinge gewollt

So winke ich zunächst zum Abschied allen zu und gebe noch einmal Köpfchen. Bis zum Sommer aber, werde ich zurück sein.

Mickykater

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