Können Katzen glücklich sein?

Es ist still geworden, bei uns zu Hause. Seit vor zwei Monaten unser letzter Kater den Weg über die Regenbogenbrücke gehen musste, macht sich eine Leere breit. Das Wetter ist auch bescheiden, die Einschränkungen in der Pandemie verbreiten zusätzliche Leere. Zeit zum philosophieren.

Wenn man drei Jahrzehnte mit Katzen zusammen gelebt hat, dann kann man auf viele Ereignisse durch und mit den Fellnasen zurückblicken. Viele lustige Erinnerungen fallen einem ein, wenn man in Gedanken die schöne Zeit an sich vorbeiziehen lässt. Die unfreiwillig komischen Erinnerungen, wenn die Katze beim Balancieren auf dem Wannenrand in die Badewanne fiel und dann, total durchnässt durch die Wohnung stürmte, um sich an einem abgelegenen Ort durch intensives Putzen das Fell zu trocknen. Der zunächst heftige Widerstand gegen das Handtuch, der erlahmte, wenn sich die trocknende Wirkung einstellte. Der missglückte Sprung auf den Tisch, um mitsamt des Tischtuchs über die Fläche zu rutschen und wieder vom Tisch zu fallen. Der verzweifelte Versuch, Fische im Aquarium durch die Aquarienscheibe zu fangen.

Das ausgelassene Spielen mit einem Tischtennisball, das abrupt durch eine Kollision mit der Wand endete oder mit der kleinen Stoffmaus, die plötzlich unter dem Schrank oder dem Bett verschwand und die sich trotz intensiven Angelns nicht mehr hervorholen lies.

Ich habe mich intensiv mit der Gefühlswelt unserer Kater auseinandergesetzt. Eine Frage, die ich mir zu beantworten suche ist, ob Katzen, wie wir, ihre zweibeinigen Diener glücklich sein können.

Viele Katzenratgeber versuchen, die Gestik von Katzen für die Menschen zu übersetzen. Generell sind das natürlich nur Annahmen, da wir wohl selbst Katzen sein müssten, um die Gestik in ihrer Fülle zu verstehen. Auch ich habe im Zusammenleben mit unseren Fellnasen der Körperhaltung, Schwanzstellung, Gesichtsmimik und Ohrenstellung über viele Jahre beobachten können und an dem damit verbundenen Verhalten versucht, die Gefühlslage unserer Kater zu verstehen und einzuordnen.

Typische Merkmale sind die allgemeine Körperhaltung, die Pfotenhaltung und die Haltung des Schwanzes, zumindest kann man die Erregung, Entspannung, Aufmerksamkeit und mögliche Schmerzen, die die Katze hat erkennen. Die wirkliche Gemütslage jedoch daraus abzuleiten, ist und bleibt Spekulation.

Dennoch bin ich überzeugt, dass Katzen traurig und glücklich sein können. Durch den Tod unseres Katers Micky vor vier Jahren habe ich gelernt, wie sich Traurigkeit bei einer Katze zeigt.

Unser Spiky wurde vom Tod seines Bruders ebenso überrascht, wie wir. Ich glaube, beim Anblick seines toten Bruders, der nicht mehr die typischen Gerüche versprühte, war im klar, dass er von nun an allein ist. Für die gesamte Zeit, bis er einen neuen Spielkameraden hatte, war er extrem angespannt, und leicht reizbar, er lief nur noch geduckt durch die Wohnung, mochte kaum noch fressen und hatte keine Freude mehr am Spielen. Oft lag er in seiner Transportbox und starrte nur vor sich hin.

Das änderte sich, als mit Nelson ein neuer Spielkamerad kam. Spiky lebte auf, er wirkte richtig glücklich und das zeigte sich dann nach einigen Tagen auch bei Nelson.

Übrigens, am Tag vor seinem Tod war ich mit Nelson noch ein letztes Mal mit den ersten Sonnenstrahlen des Frühlings auf unserem Balkon. Nachdem er zunächst nicht wollte, blieb er dann doch dort und als er zurück in die Wohnung kam, wirkte er richtig glücklich.

Was kann ich nun über Glück und Trauer bei Katzen sagen? Auch wenn wir es nicht genau wissen, ich bin überzeugt, dass Katzen glücklich sind, wenn sie in einer Umgebung leben, in der sie sich wohlfühlen. Ich denke, wir konnten allen unseren Katzen ein glückliches Leben ermöglichen. Dieses Glücklichsein ist die größte Dankbarkeit, die uns unsere Fellnasen entgegenbringen konnten.

Mein nächster Beitrag wird sich mit der Frage beschäftigen, warum wir süchtig nach dem Leben mit Katze werden, wenn wir einmal in die Augen einer zufriedenen Katze geblickt haben. Ob Ihr es glaubt oder nicht, ich wollte nie eine Katze, bis unser Felix bei uns einzog. Jetzt, da unsere Katzen alle das Haus verlassen haben, sehne ich mich nach einer Katze. Als Trost habe ich meine Erinnerungen an eine schöne, wenn auch viel zu kurze Zeit mit unseren Fellnasen und jetzt auch einen kleinen Stoffkater. Meine Frau hat ihn Kevin getauft und ich habe ihn den ganzen Tag und auch des nachts bei mir.

Naja, vielleicht reicht er ja, bis ich zu meinen Katern ins Regebogenland wechsle, aber ich habe meine Zweifel.

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