Katzen sind sozial fest verankert

Berlin ist nicht nur die Stadt der Single-Haushalte sondern auch eine Stadt der Katzen. Während die Hunde schon wegen des „Gassi-Gehens“ überall publik sind, leben viele Katzen als Wohnungskatzen mit Menschen zusammen. Allein in unserem Haus gibt es mindestens fünf Wohnungskatzen, unsere eigenen ausgenommen. Neben einzeln lebenden Prinzen und Prinzessinnen, gibt es auch viele Katzen, die mit Geschwistern oder Freunden in Haushalten leben.

Man sagte lange Zeit Katzen zu unrecht nach, Einzelgänger zu sein. Zwar grenzen Katzen ihr Revier gern ab, dennoch gehen schon bei den Wildkatzen viele Arten gemeinsam zur  Jagd und teilen ihre Beute gerecht auf. Auch die Jungen werden oftmals gemeinsam aufgezogen.

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Ich hab da was gesehen, komm mal mit

Unser Kater Felix war Einzelkater, der jedoch mit unseren Kindern zusammenlebte und der wegen der besonderen Umstände als Einzelner mit uns Menschen gut klar kam. Dennoch war er auch an anderen Katzen in unserem alten Haus interessiert.

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Ankunft aus dem Tierheim 2010

Unser Katerpärchen hingegen lebte vom ersten Tag an gemeinsam und genau dieses Leben unter Gleichartigen führte zu einem angenehmen Katzenleben. Machen wir uns nichts vor, auch wenn wir unseren Fellnasen Streicheleinheiten und Futter geben können und uns um ihre Gesundheit kümmern, bei der Erfüllung diverser sozialer Verhaltensweisen können wir ein fehlendes Partnertier nur unzulänglich ersetzen. Selbst das Anregen zum Spiel ist mit uns nicht halb so interessant, wie mit einer anderen Katze.

Ich habe unsere beiden mehrfach in ihrem Spielverhalten beobachtet, aber selbst, wenn wir nur mit einem Kater spielten, war der andere im Hintergrund dabei. Um manche Spielsachen gab es direkte Konkurrenz, die mal so mal so ausging. Aber wenn ein Käferchen umher flatterte,  waren beide sofort aufmerksam und gemeinsam bei der Sache. Manchmal half der sanfte Ruf des einen, den anderen herbeizuholen.

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Fliegenjagd im Wohnzimmer

Wenn Ihr also Euren Tieren ein erfülltes Leben ohne Freigang geben wollt, dann sorgt dafür, dass sie in Gesellschaft mit anderen Katzen leben.

Wie sehr eine Katze unter Einsamkeit leiden kann, erlebe ich aktuell bei unserem Spiky, der noch vier Wochen nach dem Tod seines Bruders diesen so vermisst, dass er regelmäßig rufend durch die Wohnung streift und alle Lieblingsplätze seines Bruder kontrolliert. Inzwischen hat er sogar eine kleine gesundheitliche Krise. Am Samstag war ich mit ihm beim Tierarzt, weil er kaum noch gefressen und mehrfach erbrochen hat. Es scheint jetzt wieder bergauf mit ihm zu gehen. Am kommenden Wochenende wollen wir im Tierheim nach einem kleinen Bruder für ihn suchen.

Spiky ist sehr sozial, er war der ruhige Teil unseres Geschwisterpaars. Ich glaube, er wird gut mit einem jüngeren Kater (Kitten) klarkommen. Sein Bruder, der wohl spürte, dass er die Welt früh verlassen würde, war immer auf der Überholspur. Ich war heute an seinem Grab und habe jetzt einen kleinen Grabstein aufgestellt.

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Micky’s Grab 

Wenn das Frühjahr kommt, gibt es zu den Narzissen noch ein paar schöne Pflanzen und eine kleine Grablaterne. Ich weiß zwar, dass es der toten Katze nichts mehr bringt, aber ich möchte noch nicht loslassen, er war mir zu sehr ans Herz gewachsen. Auch auf mich ist das Soziale der Katzen schon übergegangen.

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Mein kleiner Spiky erholt sich wieder

Ich hoffe, unserem kleinen Spiky geht es schnell wieder besser.

Bis dahin

Mickykater

 

4 Kommentare zu „Katzen sind sozial fest verankert

  1. Ich hatte auch immer mindestens zwei Katzen, da hielt sich auch mein schlechtes Gewissen in Grenzen, wenn ich nicht zuhause war.

    Auch ich kann hier beobachten, dass die Miezen lieber mit ihresgleichen spielen als mit mir.

    Selbst das blinde Paulchen rennt hinter den anderen her, wenn er hört, dass sie spielen, und er steht den beiden in nix nach.

    Als meine erste Katze starb, wurde kurz danach die andere krank und starb nur knapp 6 Monate später, die beiden waren von kleinauf immer zusammen und hingen sehr aneinander.

    Verständlich, dass Spiky trauert, das wird noch ein Weilchen dauern. Wollt ihr euch noch eine Katze holen?

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    1. Wir wollten eigentlich schon letztes Wochenende nach einen neuen Spielkameraden schauen, aber unser Spiky hatte Magen-/Darm-Probleme (möglicherweise wegen des Kummers). Nach mehreren Gesprächen auch mit unserem Tierarzt wollen wir nun kommendes Wochenende den zweiten Anlauf machen. Am Besten scheint ein Katerchen, dass noch in Gemeinschaft lebt (unter ein Jahr) und wenig dominant ist. Da klappt wohl die Zusammenführung am Besten. Da Spiky der ruhige Part unseres Duos war, soll er jetzt nicht untergebuttert werden. Länger warten wollen wir nicht, weil er sich sehr nach Gemeinschaft sehnt, er rennt viel maunzend umher und sucht nach dem „Phantomkater“, denn diverse Spuren von Micky sind immer noch vorhanden.

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      1. Das ist schön, er wird sich sicher freuen über einen neuen Spielkameraden.

        Bei meiner alten Kira bemerkte ich, dass sie regelrecht aufblühte, als ihre Schwester weggelaufen ist, sie wurde selbstbewusst, sprang auf Schränke, Betten, Stühle….all das hatte sie vorher nicht gemacht, sie wurde arg untergebuttert von ihrer Schwester, deshalb habe ich länger gewartet, damit sie das mal genießen konnte.
        Als ich das erste Babykaterchen bekam kam bei Kira der Mutterinstinkt durch und sie kümmerte ich rührend, beim blinden Paulchen war es schon schwieriger, obwohl er auch ein Baby ist, mittlerweile hat das erste Baby die Führung übernommen, kehrt ständig den Macho raus, Kira faucht ihn einfach weg.

        Ich drück euch die Daumen, dass es klappt mit Spiky.

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  2. So schöne Bilder! Ich kann es durch den Bericht einer langjährigen Freundin nur bestätigen: sie suchen nach dem ehemaligen Partner (genau wie wir Menschen nach ewigem Zusammenleben unseren Partner nie vergessen).

    Ich halte die Daumen hoch und werde dein blog immer begleiten.

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