Psychologie – warum ich die Serie „Lucifer“ mag

Ist jetzt nicht unbedingt ein wirklicher Katzenbeitrag, passt aber gut zum Blog.

Mein letzter Fellkamerad ist bekanntlich vor nunmehr fast fünf Jahren über die Regenbogenbrücke gewandert. Seitdem ist viel passiert. Zunächst war die Frage zu klären, ob ich künftig keine Katze mehr in meinem Leben habe, danach kam eine längere Krankheit und nunmehr bin ich – im Ruhestand – in der letzten Lebensphase angekommen.

Unser gesamtes Leben ist neben der rein physischen Gesundheit von unserem Bewusstsein bestimmt. In unserem Kindesalter – und zwar mit dem ersten Schrei mit dem wir die Umwelt begrüßen – bilden sich unsere unterbewussten Verhaltensweisen heraus, die später maßgeblich für unser Leben sind, die Neugier, die Kommunikationsfähigkeit und schließlich die Eigenbewertung. Wir können zwar im Verlaufe unseres Lebens Defizite anteilig kompensieren, aber wie wir von unserer Umwelt – und das heißt am Anfang unserer Familie – angenommen werden, gibt uns einen Kredit auf unser später Leben.

Die Serie „Lucifer“ – basierend auf einem Comic, entführt uns fantasievoll in die Welt des Übernatürlichen, repräsentiert durch Gott, Gottes Gattin und diversen Engeln. Symbolisch vollziehen diese Figuren diverse Entwicklungen, begleitet von der Psychologin, die den göttlichen Narzissmus und die Verleugnung des Selbstbildes heilen muss. In Summe entstand so eine spannende, lustige und teils auch dramatische #Serie, in der in insgesamt 93 Folgen die seelischen Probleme der modernen Gesellschaft aufgearbeitet werden. Ob das ein Ziel der Serie ist, kann ich nicht beurteilen. Zumindest habe ich in der Person des Lucifer viele meiner im Verlauf meines Lebens offenbarten eigenen Charakterzüge und innerer Probleme wiedererkannt. Es beginnt mit dem Teil Narzissmus, den wir insgesamt mit uns herumtragen, mit dem Hang zur Selbstbestrafung für begangene Fehler, die wir versuchen zu verdrängen, indem wir sie anderen anlasten bis hin zum Versuch, uns vor Emotionen zu drücken, weil wir meinen dadurch verletzlich zu werden.

Ich mag die Serie, ich mag den Teufel, der eigentlich ein Typ ist, der sein Glück sucht und dabei fortlaufend über die eigenen Füße fällt, weil er meint, andere würden über sein Leben bestimmen und am Ende aber zu Erkenntnis gelangt, dass wir unser Leben selbst bestimmen und es nicht schlimm ist, sich gegenüber denen, die man aufrichtig liebt, verletzlich zu machen. Wenn ich mit diesem Blickwinkel auf mein bisheriges Leben zurückblicke, dann finde ich Frieden in vielen Dingen, die mich über viele Jahre bedrückt haben, dann finde ich die kindliche Unbekümmertheit, mit denen ich mich für alles neue öffnen kann.

Damit sind wir doch zurück bei meinen Fellnasen, die über viele Jahre meine Wegbegleiter waren. Als unser letzter Kater starb, hatte ich lange Zeit Mühe, dessen Tod zu verarbeiten. Ich suchte immer wieder nach den Fehlern, die ich gemacht hatte und die dann zu seinem Tode geführt hätten. Erst als ich selbst an Krebs erkrankte, wurde mir klar, dass Leben eine Art von Geschenk ist, für deren Funktionieren es keine Garantie gibt, das wir schätzen müssen und das wir so nützen müssen, dass wir am Totenbett nichts bedauern müssen, was wir tun wollten und versäumt haben, aber vor allem, dass wir bereits zu Lebzeiten mit unserem Innern ins Reine kommen müssen.

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