Ich glaube, dass nur sehr wenige Menschen tatsächlich mit der größten Liebe ihres Lebens zusammen bleiben.
Was ist die größte Liebe des Lebens? Die größte Liebe des Lebens wird immer die sein, die wir das erste Mal erleben. Das liegt einfach daran, dass wir uns irgendwann im Leben verlieben. Es ist ein neues Gefühl, an das wir uns immer erinnern werden, egal was danach kommt. Wir wissen nicht, ob die Person in die wir uns verlieben, am Ende auch die Person ist, mit der wir unser Leben verbringen. Liebe ist nun mal eine zweiseitige Angelegenheit. Aber die Liebe, die wir zum ersten Mal erleben, wird uns unser Leben lang prägen.
Ist es die Person, mit der wir in einer Partnerschaft dauerhaft zusammen leben? Ich denke nein. Liebe und Partnerschaft sind nicht dasselbe, auch wenn wir das manchmal denken. Liebe gehört definitiv zu einer Partnerschaft, aber nur wenn wir aufrichtig lieben, werden wir die Schmerzen ertragen, die uns unser Partner früher oder später zufügen wird. Denn das wird zwangsläufig so sein.
Was ist eigentlich Liebe? Ich glaube, diese Frage kann man nie beantworten. Ich glaube, es ist ein Gefühl, dass die Glückshormone in uns strömen lässt. Wenn wir mit jemand zusammen sind, den wir nicht verlassen möchten. Dumm daran ist nur, dass Liebe eine beidseitige Angelegenheit sein muss. Das heißt aber automatisch, dass wir bereits beim ersten Match die Person treffen müssten, mit der wir dann am Ende zusammen leben, denn die erste Liebe wird immer die größte sein. Ich glaube aber, das ist eine Illusion. Wie bei allen Dingen, werden wir einen Kompromiss machen müssen.
Als ich mit 16 Jahren mein Elternhaus verließ, um auf eigenen Beinen zu stehen, war ich mir sicher, dass mir das schnell gelingt. An Liebe, an Partnerschaft, dachte ich damals gar nicht. Wenn wir mitten im Prozess sind, erwachsen zu werden, dann haben wir andere Sorgen. Wir wissen nicht, was auf uns zukommt, aber wir beobachten unsere Umgebung. Zu unserer Umgebung gehören natürlich auch die Personen, mit denen wir zusammen sind und wir achten darauf, was diese Personen tun, wie sie leben und wir überlegen uns, es Ihnen eventuell nachmachen, dazu kommt der uns angeborene Instinkt unsere Gene weiterzugeben. Nun verhalten wir uns nicht wie die Säugetiere und kämpfen um den Partner, mit dem wir Nachwuchs zeugen möchten, das ist jetzt auf die Männer bezogen. Unsere Form der Werbung ist weit weniger animalisch. Allerdings können wir nicht verhindern, dass im innersten der Wunsch zur Fortpflanzung besteht.
Meine erste sexuelle Aktivität startete im Alter von 16 Jahren. Ich bekenne mich, ich war vorher in meine Klassenlehrerin verliebt. Ich denke das war eine Art platonische Liebe, zu mindestens war da kein sexuelles Verlangen, denke ich. Den ersten sexuellen Kontakt zu Mädchen hatte ich tatsächlich erst nachdem ich meinen Elternhaus verlassen hatte. Ich fühlte mich frei und angetrieben von den Erzählungen der anderen – ich meine, wir fragen ja nicht ob das, was uns andere erzählen, die Wahrheit ist – ich wollte einfach nicht als Depp dastehen, ich wollte genauso cool sein, wie die anderen. Aber vor allem, wollte ich die anderen beeindrucken.
Und tatsächlich, nach den ersten erotischen Erlebnissen schaffte ich es dann tatsächlich, Eindruck zu schinden. Das ist es doch, was wir irgendwie im Inneren wollen. Okay, es waren andere Zeiten. Ich bin Jahrgang 59. ja, damals ging man mit solchen Sachen viel offener um, als heutzutage. Ich bin eigentlich ziemlich froh, dass das Thema Sex früher weniger verkrampft gehandhabt wurde als heute. Ich habe manchmal den Eindruck, dass sich meine Generation in der Öffentlichkeit dafür entschuldigt, den freien Willen ausgelebt zu haben.
Ich komme zurück zu dem Eindruck, den ich geschunden hatte. Wir waren mit unserer Lehrklasse in einer Art Zeltlager, und da in unserer Lehrklasse ein Mangel an Frauen herrschte, versuchten wir natürlich auf dem Zeltplatz Kontakt zu anderen zu suchen. Den fand ich dann auch mit einem Kumpel zusammen bei zwei Mädels aus dem Erzgebirge. Und bei einem von den beiden Mädels und mir hat es damals gefunkt. Keine Ahnung, warum, sie war auch noch gut vier Jahre älter. Wir hatten dann ein paar tolle Tage mit viel Sex und Spaß. Ja, das hatten meine Kumpels mir nicht zugetraut. Ich hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte. Ich hatte auch nicht das gewisse Gefühl, sich nach einem Zusammenbleiben zu sehnen. Ich hatte allerdings kurz nach diesem Abenteuer einen Unfall beim Sport und war eine Weile außer Gefecht. Meine Urlaubsbekanntschaft hatte sich allerdings etwas mehr von unserem Spaß versprochen, ich denke heute, sie hatte sich wirklich in mich verliebt. Aber ich war gerade 18 Jahre alt und überhaupt nicht in dem Mode eine feste Beziehung einzugehen. Also habe ich sie nach heutigen Begriffen geghostet.
Als ich nach meiner Genesung zurück war, traf ich dann meine allererste große Liebe. Wir hatten uns tatsächlich Hals über Kopf ineinander verliebt und das Gefühl war einzigartig, ich hatte noch nie vorher so empfunden. Ich glaube heute, ich wäre bereit gewesen, eine dauerhafte Partnerschaft einzugehen. Aber mit 18 Jahren denkt man nicht an eine dauerhafte Partnerschaft, da hat man noch vieles vor, was einem wichtiger erscheint. Natürlich wollte ich auch meine Eltern ärgern, die kein Verständnis dafür hatten, dass ich mitten in meine Ausbildung schon mit einer festen Freundin abhing. Ich wollte Ihnen zeigen, dass ich mein eigenes Leben, meinen freien Willen lebe. Deshalb haben wir uns einfach mal so verlobt. Das war natürlich zuerst als Joke gedacht, aber wenn ich ehrlich bin, ich habe mich tatsächlich richtig verliebt und ich glaube ich meinte es ernst. Ich weiß nicht, ob das Gefühl tatsächlich beidseitig war. Wir hatten kurz nach der Verlobung eine Fernbeziehung und nach etwas mehr als einem halben Jahr Wehrdienst war Schluss. Ich bin mir aber bis heute sicher, dass das die größte Liebe meines Lebens war.
Ich will ehrlich sein, ich habe danach versucht, alles mitzunehmen, was ich konnte. Schon allein, weil ich mich betrogen und gedemütigt gefühlt habe und mich dafür rächen wollte. Nach einer Trennung, wenn man aus einer Beziehung geworfen wird – mir gefällt das englische Wort dumped viel besser, weil es irgendwie den Gemütszustand danach besser trifft – dann braucht man eine Weile, um wieder klar zu kommen. Insbesondere durch meinen Wehrdienst am Arsch der Welt kurz nach der Trennung war das ziemlich deprimierend. Aber ein Jahr später wurde ich versetzt, um die restlich 18 Monate meines Wehrdienstes abzuleisten. In der Stadt der schönen Frauen, Dresden, konnte ich endlich wieder freier atmen, zum einen, weil der Wehrdienst dort viel angenehmer war und auch weil meine Vorgesetzten regelmäßig mehr als beide Augen zugedrückt haben. Auch mein anschließendes Studium hat mir geholfen, wieder zu mir selbst zu finden. Ich bin froh, dass ich damals nicht in Kummer versunken bin, sondern mich ausgelebt habe, denn ich habe letzten Endes genau in dieser Zeit auch die Partnerin gefunden, mit der ich inzwischen über 40 Jahre verheiratet bin.
Was will ich damit sagen? Wir verlieben uns irgendwann das erste Mal und erleben das als die Liebe unseres Lebens. Aber wir haben es nicht in der Hand, dass diese Liebe bestehen bleibt und es ist auch nicht schlimm, wenn diese endet. Es kommt darauf an, den Menschen zu finden, der das Gleiche empfindet, was man selbst empfindet. Man muss nicht in allem einer Meinung sein, synchrone Hobbys haben oder ständig aneinander kleben. Es reicht, wenn man sich ergänzt und die Mängel gegenseitig akzeptiert und toleriert. Es kommt darauf an den Partner zu finden, mit dem man alles teilt, Kummer und Freude, der einem in schlechten Zeiten beisteht und dem man auch in schlechten Zeiten beistehen will. Es kommt darauf an, den Partner zu finden, dem man verzeiht, verletzt zu werden und der bereit ist, Verletzungen zu verzeihen. Denn am Ende kommt es darauf, dass das was uns miteinander verbindet, stärker ist, als das was uns trennt.