Ostern ist nicht von ungefähr eine von vielen Religionen mit unterschiedlichen Traditionen verbundene Zeit im Jahr. Mit dem Erreichen des Äquators durch die Sonne ist der Mittelpunkt zwischen dem nördlichen und südlichen Wendepunkt des Sonnenstandes erreicht. Das heißt für die Nordhalbkugel, die sonnenreiche Zeit des Jahres beginnt. Die Natur beendet ihre winterliche Ruhe, die Schläfer erwachen aus dem Winterschlaf und die Pflanzen starten in ihre aktive Wachstumsphase.
Am eindrucksvollsten beschreibt wohl Johann Wolfgang von Goethe den Übergang in den Frühling im Faust, wenn er seinen Dr. Faust mit dem „Osterspaziergang“ das Erwachen der Natur beschreiben lässt. Es ist die ideale Zeit, um den Aufbruch ins Leben zu begehen. Nun fällt Ostern nicht unbedingt direkt mit dem astronomischen Frühlingsanfang zusammen, aber das ist unerheblich. Entscheidend ist die Stimmung, wenn viele zum ersten Mal im Jahr wieder jede Menge Vitamin D speichern, da sie sich längere Zeit in der Sonne aufhalten. Hinzu kommen die durch die Sonne im Körper gebildeten Endorphine und Pheromone, die unser Wohlbefinden und unsere sexuelle Aktivität ankurbeln.
Für mich ist Ostern vor allem mit viel Familie verbunden. Es ist die Zeit im Jahr, in der man erstmals wieder intensiv mit den Familienangehörigen im nahen Kontakt ist, die weiter entfernt wohnen. Man besucht sich gegenseitig, man unternimmt gemeinsam etwas und als eine alte Tradition, man färbt und bemalt gemeinsam Eier. Als unsere Kinder noch klein waren, kamen oft die Großeltern zu Besuch oder wir fahren zu den Großeltern. Am Ostersonntag fuhr man gemeinsam in Grüne und auf einer Waldlichtung oder auf der Wiese hinterm Haus wurden von den Großen die Eier versteckt und von den Kindern begeistert gefunden.
Heute, da die Kinder erwachsen sind und ihren eigenen Haushalt leben, ist noch das traditionelle Eierfärben geblieben. Die bunten Eier symbolisieren die Rückkehr der Farben in die Welt und das Ei das Leben, auch wenn es nach dem Kochen erlischt und das Ei am Ende durch Verzehr in den Lebenskreislauf zurückgegeben wird.








In der christlichen Legende wird Ostern als Geschichte des Verrates und des Opfers begangen. Wie jede religiöse Sekte nutzt auch die katholische Kirche die Legende des Todes und des Verschwindens von Jesus von Nazareth dazu, um ihre Mitglieder zu disziplinieren. So ist es kein Wunder, dass überall dort, wo die Trennung von Religion und Staat nicht wirklich existiert, die Freiheiten an den Osterfeiertagen eingeschränkt sind. So existieren zum Beispiel in Deutschland, was sich immer als Moralapostel für Freiheit gebiert, Einschränkungen an christlichen Feiertagen, die ein Verbot von Veranstaltungen, die dem Vergnügen dienen oder das Zeigen von bestimmten von den Moralaufsehern als nicht angemessen identifizierten Filmen oder Theaterstücken umfassen. Dieser Umstand zeigt für mich immer wieder, wie stark dieses Land von Doppelmoral durchzogen ist.
Wenn ich in diesen Tagen das Ostern verbringe, dann denke ich an die vielen Menschen, die aktuell im Ergebnis aggressiver geopolitischer Umverteilungen von Kriegen betroffen sind und wünsche allen Betroffenen, dass für sie baldmöglichst wieder friedlichere Zeiten beginnen. Den Wunsch, dass die Medien beginnen neutral und sachlich über die internationalen Konflikte zu berichten und weniger versuchen, die Zuschauer ideologisch zu manipulieren, habe ich schon vor vielen Jahren aufgegeben.
Ich halte es insbesondere auch da mit Goethes Mephisto, wenn er den Faustus lehrt, die Welt realistisch zu sehen. „Grau teurer Freund ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum1“ und damit wie der Fortschritt sich entwickelt, wenn uns Mephisto sein Wesen erklärt. Und wenn er sich erklärt, so spricht er: „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft.2“ Dabei erklärt er im eigentlichen den Widerspruch zwischen der Behauptung und dem Streben. Wer Erkenntnisse sucht, wird oft als das Böse wahrgenommen, wenngleich diese Erkenntnisse uns zum Guten führen. Nun Mephisto ist im Eigentlichen nichts anderes, als die Erkenntnis. Die Erkenntnis aber ist das, was in unserem Inneren entsteht, wenn wir nach neuem Wissen suchen. So stellt also die Suche nach dem Neuen nichts anderes dar, als den Ausbruch aus den vorgegebenen Strukturen, in denen man nur das nachplappert, was andere vorplappern. Nicht umsonst kommt Faust zu der Erkenntnis: „Habe nun, ach Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie durchaus studiert, mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor3„
Mit diesen nachdenklichen und für den einen oder anderen auch nicht verständlichen Worten, endet mein heutiger .Beitrag. Ich wünsche allen ein ruhiges und zufriedenes Osterfest