Déjà-vu oder Realität – Das kommt mir irgendwie bekannt vor

Die Wissenschaft?

Für ein Déjà-vu gibt es viele Erklärungen. Wir meinen manchmal, eine bestimmte Situation schon einmal erlebt zu haben, obwohl das gar nicht möglich ist. Zumindest in der Jugend dürfte diese Erklärung hinkommen. Je älter man aber wird, umso öfter fühlt man sich – wenn man das öffentliche Leben beobachtet – zurückversetzt in eine Zeit, die man hoffte bereits hinter sich gelassen zu haben.. Das ist dann jedoch kein Déjà-vu mehr, sondern Realität.

Ich versuche mal, satirisch aufzubereiten, was mir gerade so durch den Kopf geht, wenn ich die aktuelle Situation in Deutschland verfolge.

Als im Jahr 1989 der „real existierende Sozialismus“ an seinen eigenen Versprechen und an der Unfähigkeit der politischen Führung in sich zusammen fiel, nutzte das der real existierende Kapitalismus, dem es jetzt politisch nicht unbedingt besser ging, um einen einzigartigen Deal zu schaffen.

Die Missionierung des Ostens

Man nehme eine Handvoll Geld, streue das über ein Volk, dass um Anschluss an die westliche Konsumgesellschaft bettelt und man kann einer Industrie, die international angeschlagen und vielerorts schon nicht mehr konkurrenzfähig ist, neue Absatzmärkte erschließen. Davon profitiert auch das eigene Volk, denn damit hält man die eigene Industrie am laufen, dem zugekauften Volk kann man erklären, dass es ohnehin in einem großen Müllberg lebt und durch die Segnungen, der schon jahrelang in der Werbung mit angesehenen, aber unerreichbaren vielen Produkte nun auch endlich am Ziel der Träume angekommen ist.

Nun, wie in jeder Geschichte muss es Gewinner und Verlierer geben, das ist halt das ökonomische Gleichgewicht. Nach dem kurzen Konsumrausch kam der Cold Turkey mit Arbeitslosigkeit, belehrender Erziehung der neuen Herren und wer nicht das Glück hatte, in der Grundversorgungswirtschaft (Wasser, Gas, Elektrizität) zu arbeiten musste entweder zur Arbeit nach Bayern, Hessen oder Baden-Würrtemberg ziehen oder irgendeinen unterbezahlten Hilfsjob annehmen. Okay, Schnee von gestern. Aber warum schreibe ich das? Weil die „neuen Herren“ den „Eingeborenen“ natürlich noch eine Menge zu erzählen hatten. Worüber? Na über die Marktwirtschaft und die Demokratie, zumindest was sie darunter verstanden.

Kleiner Abstecher in die Nachkriegszeit

Westdeutschland, als „Kapitalsozialismus“ nach Kriegsende durch die Herren von Übersee in eine Art „Schlaraffenwunderland“ verwandelt, war der Gegenentwurf zum stalinistischen Sozialismus in der DDR. Während in den Westen die Dollars aus der vom Krieg weitgehend verschonten USA flossen, holten sich die, die die Hauptlast am Krieg trugen, die verhassten Russen, alles, was verwendbar war aus ihrem Besatzungsgebiet. Eigentlich hatten die Deutschen Glück, dass der böse Stalin mit am Tisch der Siegermächte saß. Churchill wollte die Deutschen eigentlich sterilisieren, in Arbeitslager stecken und diese kriegerische Barbarenspezies endgültig beseitigen. Nun es kam anders. Während im Westen die neue Religion „Konsum“ Einzug hielt, nicht ohne vorher dem katholischen oder evangelischen Pfarrer zu beichten, hielt im Osten die Religion „Kommunismus“ Einzug. So ein gesammeltes Werk von Lenin macht natürlich nichts her, ein schickes Auto ist da schon was anderes. Mit dem Einzug des Fernsehens in die deutschen Haushalte (Ost und West) konnte der Wettlauf dann Fahrt aufnehmen. Der Sieger stand eigentlich fest, Wohlstand ist eben mehr erstrebenswert, als Bewusstsein.

Der kalte Krieg

Der kalte Krieg war der Kampf der Missionare aus Ost und West, der klar zugunsten des Westens ausging. Einer Bevölkerung permanent zu erzählen, dass es ihr viel besser ginge, als denen im reichen Westen, wenn es das Gegenteil erlebt, ist natürlich zum Scheitern verurteilt. Vor allem, wenn man als Maßstab den Wohlstand anführt und gleichzeitig die Freiheiten einschränkt. Egal, am Ende kam das Einsehen – naja nicht bei allen.

Das Zusammenrücken der Völker

Das Zusammenrücken der Völker war für viele Osteuropäer schmerzhaft, nicht jedoch für die Deutschen. Zweifel wurden mit Geld zugeschüttet und es gelang schnell, ein Volk für den neuen Gott „Konsum“ zu rüsten. Wer auf der Strecke blieb, war einfach nicht reif für die Marktwirtschaft und wer meckerte, war noch von der alten Ideologie verseucht und nicht demokratiefähig. Bei den Missionaren hatte man meistens kein gutes Händchen, die erzählten über Dinge, die sie selbst nicht verstanden: „Marktwirtschaft und Demokratie“.
Wenn man Glück hatte, traf man viel Leute an der Basis im Westen, mit denen man sehr schnell klar kam. Ich hatte viel Glück und war erstaunt, dass wir oft synchron waren und die gesellschaftlichen Strukturen eigentlich viel ähnlicher waren, als uns die Medien regelmäßig suggerierten. Der Unterschied zwischen Ost und West war, dass sich die Politik im Westen aus der Wirtschaft weitgehend raushielt. Jetzt kommt der eigentliche Wandel.

Der Schritt ins heute

Der Schritt ins heute kam fließend. Mit einem Male war das „Schlaraffenwunderland“ – auch unter dem Namen „Soziale Marktwirtschaft“ bekannt überflüssig. Der Erzfeind, der „Bolschewismus“ war endlich besiegt und die Geier machten sich über die Beute her. Rohstoffquellen für den Konsum, eine wodkatrinkender Russe lud zum Ausverkauf und alle kamen. Naja nicht alle, vor allem wieder die Freunde aus Übersee mit vielen Beratern. Deutschland saß am Katzentisch und nur persönliche Männerfreundschaften sorgten dafür, dass wir nicht ganz leer ausgingen. Das fanden allerdings unsere „Beschützer“ aus Übersee nicht so schön. Es ist interessant, dass man die ausgestreckte Hand des russischen Bären wegschlug, weil … ja warum eigentlich? Aus Arroganz.

Deutschland war wieder wer und sielte sich im alten Preußen: „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.“ Wir retten jetzt das Klima, indem wir einen Feldversuch starten. Die Industrie will nicht, dann machen wir halt Gesetze, die die Industrie zwingt unseren Willen zu erfüllen. So wurde aus der Marktwirtschaft im Stillen immer mehr Planwirtschaft. Leider waren es in den letzten zwanzig Jahren nicht die Besten, die das Unternehmen Deutschland über Gesetze und Verordnungen führen, möglicherweise in das Agrarland, was schon der große Churchill für Deutschland vorgesehen hatte.

Jetzt kommt das Déjà-vu

Es gab eine Regierung, die verjagte ihren Rohstofflieferanten, weil der ein Diktator ist und machte lieber Geschäfte mit Diktatoren, die viel mehr Geld verlangen. Die hohen Kosten waren natürlich nicht der Dummheit der eingefädelten Geschäfte geschuldet, sondern der Gier der Konzerne. So musste man mit „Übergewinnsteuern“ und „Preisdeckeln“ noch tiefer in die Wirtschaft eingreifen. Was hat es denn gebracht? Nichts, außer immer mehr Bürokratie und immer mehr Beamte, die den Schwachsinn überwachen. Mittlerweile ist die nächste Runde eingeläutet, ein psychisch auffälliger Herr entfacht im Nahen Osten einen Krieg, der für Europa die nächste Rohstoffquelle kappt. Wie reagiert Europa? Mit Hilflosigkeit, denn wer von dem in Brüssel agierenden Personal ist denn in der Lage dazu. Ich fühle mich an Spaceballs Präsident Screw erinnert. „Macht doch was. Ich kann nichts machen, ich bin der Präsident.“ Also hören wir wieder genau dieselben Töne und mit einem Lächeln erinnere ich mich daran, wie die Missionare vor dreißig Jahren dummes Zeug über „Marktwirtschaft“ gefaselt haben. Aber leider ist es eben kein Déjà-vu, es ist bittere Realität.

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