Ich will die vier Jahreszeiten zurückhaben

Früher gab es vier Jahreszeiten.

Im Frühjahr, dass meistens viel zu nass war, konnte man bei Regen oder Schnee umherstreifen und sich über den Wind ärgern, der den Regenschirm zum Skelett machte. Manchmal war es aber auch übel heiß, dann kamen die ersten Sprossen, die mit dem nächsten Nachtfrost erfroren.

Eindrücke von den vier Jahreszeiten an verschiedenen Orten

Im Sommer war es an vielen Tagen heiß, weil die meisten Städte noch nicht vollgebaut waren mit reflektierenden Glasflächen, war es zwar heiß, aber erträglich. Auf dem Land fanden sich viele Plätze im Grünen, wo man der Hitze entgehen konnte und am meisten ärgerte man sich über die Regentage, die zwar garnicht so häufig waren, aber immer dann wenn man was vorhatte. Es gab auch Gewitter, bei denen Straßen überflutet waren. Im Dorf der Eltern meiner Frau gab es ein kleines Bächlein – Goldbach genannt – der bei Gewitter versuchte, dem Amazonas Konkurrenz zu machen. Einige Gehöfte in der Nähe des Baches standen auf der „Insel“ und bei starkem Regen konnte man sie nur mit Gummistiefeln erreichen. An einigen Tagen des Jahres freuten sich die Schulkinder über hitzefrei, aber da in den Monaten Juli und August Ferien waren, kam das nur im Mai und Juni vor.

Der Herbst war meistens eklig, mit Sturm und Regen und wenn dann der erste Nachtfrost kam, entschieden sich die Bäume ihr Laub einzufärben und abzuwerfen. Dann pfiff der Wind um so mehr zwischen den Ästen hindurch. Manchmal waren Bäume zu spät dran und wurden vom Wind mit dem Umwerfen bestraft.

Schließlich kam der Winter mit Schnee oder Wind und Regen. In manchem Winter gingen bei sonnigem Wetter die Temperaturen in den Keller und bei zweistelligen Minusgraden und klarer Luft konnte man für kurze Zeit den Schnee genießen, bevor er durch die Rauchgase und Abgase der Fahrzeuge von gelb ins braune oder graue überging.

Heute leben wir am Rande des Armageddon

Leider – zumindest wenn man den Medien folgt – sind die Jahreszeiten nicht mehr da. Stattdessen unsinnige Mittelwerte von Zahlen, wild zusammengewürfelt, um den Menschen zu erklären, dass wir auf dem kürzesten Wege in den Abgrund sind. Da werden irgendwelche Mittelwerte des Regens, der Sonnenstunden oder der Temperatur von beliebigen Orten gebildet und von Statistik gefaselt. Dann werden effektvoll aktuelle Zahlen in diese Diagramme gepackt und dann wird mit lehrerhafter Symbolik und Sprache dem Zuhörer erklärt, wie schlimm doch alles ist. Es ist immer entweder zu nass oder zu trocken, zu warm oder zu kalt. Sehr interessant, wenngleich vollkommener Humbug.

Aus dem Sommer wird eine Hitzekatastrophe aus dem Winter wird eine bittere Kältekatastrophe und Frühling und Herbst verschwinden in den Sturm- und Orkankatastrophen. Gewitter werden zu Unwetterkatastrophen und die eigene Dummheit an unsicheren Abhängen oder direkt an begradigten und von Asphaltmonstern begleiteten Flussbetten gebaut zu haben, sind als Vorboten der Klimakatastrophe ausreichend Grund, um Minderjährige unter Anleitung von Studienabbrechern und Soziologen für eine Aufgabe von sicherer Energieversorgung und Wohlstand zu mobilisieren. Ich hoffe, denn Kleinen ist klar, dass dann Feierabend mit TikTok und Facebook und wie die ganzen Dreckschleudern sonst noch heißen, ist. Denn es wird nicht mehr genügend Menschen geben, die für die Mehrheit im Land das Bürgergeld finanzieren können. Vielleicht wünscht man sich ja deshalb so sehr den Krieg herbei und will kriegstüchtig werden, im Krieg werden meistens zuerst die verheizt, die heute vom Bürgergeld leben.

Also, ich will endlich meine vier Jahreszeiten zurück und mich im Frieden über ein nasses Frühjahr, einen heißen Sommer, einen stürmischen Herbst und einen kalten Winter ärgern oder vielleicht auch freuen.

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