Das Phänomen Gemeinschaft

Was ist eigentlich eine Gemeinschaft? Wir kennen Liebe und Hass und Sympathie und Antipathie als die großen Antagonisten des Gefühls, daneben kennen wir den Begriff der Freundschaft, der sehr schwer zu definieren ist. Wenn wir ehrlich sind, sind die meisten unserer Freunde wohl eher Bekannt denen wir Sympathie entgegenbringen, denn Freundschaft ist eher eine Art von platonischer Liebe, die wohl nur wenige in ihrem Leben erfahren.

Gemeinschaft oder Liebe?

Aber was ist denn nun die Gemeinschaft, von der wir allenthalben zu lesen bekommen. In den Medien, von der Politik von Vereinen und von Verbänden, von Verkäufern, die unser Geld haben wollen oder von Personen, die uns in eine Form des Rudels, der Rotte oder der Herde treiben wollen, wird immer die Gemeinschaft hervorgehoben.

So ist immer von Solidargemeinschaft zu reden, wenn uns Leute an unseren Geldbeutel wollen. „Man müsse doch den Schwächeren oder den Opfern“ von irgendetwas oder irgendwem Unterstützung geben. Derzeit wird dies wieder postuliert, wenn die Einzahler in die gesetzlichen Sozialkassen gemolken werden sollen, um Pharmaindustrie, Chefärzte in Krankenhäusern, privaten Klinik- und Pflegeheimbetreibern, von der Politik eingeladenen Ausländern und Arbeitsunwilligen diverse Geschenke zu machen.

Gemeinschaft oder nur Gruppe mit gemeinsamen Interessen?

Von der demokratischen Gemeinschaft ist die Rede, wenn es geht abweichende Meinungen auszugrenzen oder zu verunglimpfen, die Bezeichnungen spare ich mir. Aber eigentlich geht es nur um den Machterhalt von Parteien, die seit vielen Jahren den Wohlstand des Landes verplempern und schon wieder mit markigen Sprüchen für einen Krieg rüsten, als ob man nichts gelernt hat davon, dass man als deutsche Supermacht im letzten Jahrhundert zweimal Kriege vom Zaun gebrochen und den Arsch versohlt bekommen hat.

Wenn es um Ausgrenzung geht, dann wird schon gern mal die Gemeinschaft der demokratisch gesinnten Bürger oder gar der Demokraten heraufbeschworen. Dabei ist das schon begrifflicher Unsinn, denn demokratisch bedeutet immer eine Abwägung vieler Einzelinteressen, was einer Gemeinschaft an sich schon entgegensteht. So ist denn die Gemeinschaften ihrer heutigen Verwendung die „sprachliche Hure“ der Politik geworden.

Ich bin in meiner Kindheit und Jugend im Osten dieser Republik sozialisiert worden. Die Sozialisierung in der vom Westen pauschal als Diktatur und Unrechtsstaat bezeichneten Welt war aus heutiger und rückblickender Sicht ein Segen. Sie bedeutete das Zusammenstehen, sich gegenseitig ohne Neid oder Ansprüche unterstützen, die Arbeit und das Leben des anderen achten und auch mal des Einschreitens. Es hat funktioniert, weil das Goldene Kalb des Konsumrausches und des Statusvergleichs kein permanenter Bestandteil des sozialen Lebens war.

Gemeinschaft oder nur viele Menschen beim Rockkonzert?

Ich habe in meinem Arbeitsleben, dass im Sozialismus begann und dann im heutigen Gemisch aus Sozialstaat und Kapitalismus endete eine Verschiebung der menschlichen Beziehungen von gelebt zu proklamiert wahrgenommen. Ich konnte mit den wechselnden Generationen erleben, wie sich sukzessive die Sozialisierung verschob, von engen privaten Kontakten zu stärkerer Abgrenzung. Interessanterweise hat dabei die Corona-Zeit mit den zeitweise abstrusesten staatlich verordneten Maßnahmen diese soziale Trennung dann eher verlangsamt. Am Ende steht die von den Medien als Posaune der Executive des Staates proklamierten Gemeinschaft, die natürlich wieder – wie in allen verwalteten Systemen – als das wesentliche verkündet wird.

Zurück zum Begriff. Für mich ist Gemeinschaft ein Kunstbegriff. Wir leben als Individuen mit anderen Individuen zusammen, wir kommunizieren miteinander und wir interagieren miteinander. Wir werden aber niemals in einer Gemeinschaft leben, wenn wir nicht über Liebe oder Freundschaft verbunden sind. Liebe oder Freundschaft sind aber eine andere Liga der Beziehungen und den Begriff der Gemeinschaft benötigen wir dafür nicht. Wir werden uns lediglich punktuell miteinander beschäftigen, wenn wir gemeinsame Hobbys betreiben, miteinander arbeiten oder uns zufällig bei Konzerten, im Urlaubsdomizil oder an anderen Orten treffen und feststellen, dass wir gleiche oder ähnliche Interessen haben. Den Begriff der Gemeinschaft wird also immer jemand verwenden, der versucht uns für seine persönlichen Interessen oder seinen persönlichen Vorteil zu instrumentalisieren.

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